BRÄNDLES BALLBERICHT


 

Solid und alternativ

 

Warum ich den SC Freiburg gerne mag

 

Fabian Brändle

 

Der Transfer sorgte für einiges Aufsehen: Der junge, hoffnungsvolle Stürmer Waldschmidt wechselte für einige Millionen vom SC Freiburg nach Portugal zu Benfica Lissabon, wo er zum Teamkollegen des Schweizers Haris Seferovic wurde. Inzwischen ist Waldschmidt beim Traditionsverein Benfica bereits zum Nationalspieler gereift. Im Badischen werden sie sich gefreut haben über die Einnahmen, den Abgang des Talents jedoch gleichzeitig bedauert haben. Freiburg war und ist eine Talentschmiede. Wer dort reüssiert, stellt sich gerne Aufgaben bei besser bezahlenden Vereinen.

Der SC Freiburg war jdoch viele Jahrzehnte nicht einmal die Nummer eins in der eigenen Stadt. Das war der „FC“, der mittlerweile in der Versenkung verschwundene Freiburger FC, der sogar einmal Deutscher Meister war und lange Jahre in der Zweiten Bundesliga Süd kickte.

Die alte Stadt Freiburg besticht nicht nur durch Bächle, Gässle und das Münster. Der SC ist mittlerweile eine feste Grösse in der Bundesliga und verkraftete auch den einen oder anderen sportlichen Abstieg in die zweite Liga mit links, denn finanziell ist man solid aufgestellt. Wagnisse und Spekulationen werden kaum eingegangen, eher herrscht Sparsamkeit.

Volker Finke war lange Jahre Trainer der engagierten Badener, ehe er nach Afrika wechselte und dort Nationalteams übernahm. Volker Finke stand für einen alternativen Stil, galt als linksgrün und sogar als Intellektueller unter den Trainern. Dazu passt es, wo ich ihn einmal kurz erblickte, das war nämlich an einem Bob-Konzert in der Freiburger Stadthalle. Finke galt auch als Förderer einheimischer Talente, die er zum Teil aus dem näheren Umland, auch aus unterklassigen Ligen rekrutierte. Dies erhöhte natürlich die Identifikation der zahlreichen Fans mit den einheimischen Gewächsen.

Vielleicht der auffälligste Spieler der Finke-Zeit war indessen Torhüter Jörg Schmadtke, der viele teilweise spektakuläre Paraden zeigte und auch bereits einige Minuten nach dem Spiel stets druckreife Kommentare lieferte. Jörg Schmadtke war beliebt bei Fans und Spielern und ist heute Manager und Sportchef eines ambitionierten Bundesligisten.

Meine Sympathien mit dem SC Freiburg wurden maximal, als mit Admir Mehmedi ein waschechter Zürcher Spieler in die Sonnenstube Deutschlands wechselte und dort als Halbstürmer auch gute Leistungen abrief. Leider folgte der ziemlich torgefährliche Schweizer Nationalspieler allzu bald dem Ruf des Geldes und wechselte nach Wolfsburg zum VfL.

Dass sich auch der ehemalige Grasshopper und albanische Nationalspieler Abrashi in Freiburg und somit in der Bundesliga durchsetzen konnte, hat mich bei allen Sympathien zu ihm doch sehr überrascht. Abrashi, klein an Wuchs, ist zwar ein giftiger Terrier und unerbittlicher, harter Balleroberer, doch war sein Passspiel zu Zürcher Zeiten gelinde gesagt noch unterentwickelt. Nun hat sich der Kämpfer und schweizerisch-kosovarische Doppelbürger auch dank guten Trainings zu einem wertvollen Stammspieler entwickelt und bringt wie einst Admir Mehmedi regelmässig vorzügliche Leistungen.

Der SC Freiburg hat viele junge Deutsche im Team, die noch nicht sehr bekannt sind. Einzig der dänische Edeljoker Petersen hatte sich bereits einen Namen bei Bayern München gemacht, wo er indessen ebenfalls nicht über die Ersatzrolle hinausgekommen war. Mag sein, dass so mancher Spieler seinen Weg gehen wird bei vornehmeren Adressen, die höhere Gehalte bieten. Der Trainer Streich ist jedenfalls wie bereits Volker Finke ein Förderer der einheimischen Jugend und obendrein authentisch, sympathisch und lustig. Und intelligent. Das macht ihn zur idealen Besetzung auf der Freiburger Trainerbank. Denn in der Führungsetage setzt man auf langfristige Planung, mehr als auf den Erfolg um jeden Preis.

 


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