BRÄNDLES BALLBERICHT


 

Eminenz im Hintergrund

Zur Autobiographie des Stadtberners „Hene“ Minder (geb. 1942)

 

Fabian Brändle

 

Verehrung geniessen unter den Fans in der so schnelllebigen Fussballwelt nicht nur vereinstreue Spieler oder Trainer, sondern auch vereinsnahe Persönlichkeiten im Hintergrund, die jahrzehntelang ihre Loyalität zum Club bewiesen haben, so der gelernte Schalker Bäcker und Gastronom „Charly“ Neumann oder der Masseur des FC Zürich, Hermann Burgermeister, der seinem Arbeitgeber über vierzig Jahre lang treu geblieben war. In der eidgenössischen Hauptstadt Bern tat sich Heinz „Hene“ (die Berner kürzen „Heinz“ so ab) Minder diesbezüglich hervor. Seine lange Karriere in Diensten des zuletzt so erfolgreichen BSC YB ist nun von zwei Journalisten in einem Buch dokumentiert worden, das einen Blick hinter die Kulissen des Fussballs erhaschen lässt.

Bereits „Hene“ Minders Vater war Amateurfussballer gewesen, beim FC Forward Morges in der Romanie und bei den Gelbschwarzen aus Bern. Als nimmermüder Senior gewann er in späteren Jahren so manchen Titel. Vom Vater übertrug sich die Liebe zum runden Ball und zu den Young Boys auf den Sohn, der zunächst als Strassenkicker und dann als etwas trainingsfauler Akteur beim FC Zahringia agierte. „Hene“ Minder wechselte als Zehnjähriger zu YB, wo der deutsche Meistertrainer Albert Sing auch die Junioren ausbildete. Albert Sing brachte den Knaben nicht nur deutsche Sekundärtugenden wie Kampfkraft, Disziplin und Pünktlichkeit bei, sondern engagierte sich auch für die Kinder ärmerer Eltern, die sich keine ledernen Fussballschuhe leisten konnten. Sing nützte seine mannigfachen Beziehungen hinein in die Sportwelt und fuhr eigens nach Herzogenaurach, um sich dort günstigere Kickerschuhe von Adidas ab Fabrik zu erstehen. Der Deutsche hatte übrigens auch mit der ersten Mannschaft von YB riesigen Erfolg, wurde er doch viermal hintereinander Schweizer Meister.

Ende der 1970er Jahre schloss sich „Hene“ Minder nebenamtlich dem Betreuerstab der Young Boys an und erlebte in der Folge mitunter haarsträubende Zeiten. Der Stadtberner Club stieg mehrmals ab, ja, es drohte sogar der Konkurs und somit der Lizenzentzug. Ein Trainer namens Jean-Marie Coonz habe den Spielern in den 1980er Jahren unregelmässig Hunderternoten verteilt, damit diese zumindest ihre Familien ernähren konnten. Es waren einfach keine potenten Sponsoren aufzutreiben in der behäbigen Beamtenstadt. Dies änderte sich erst im neuen Jahrtausend mit dem Bau eines modernen Stadions, das den bröckelnden, wiewohl mythenumrankten „Wankdorf“ ersetzte. Nun gab es auf einmal genug Geld, mit ihm kamen und blieben auch bessere Spieler und Trainer. So war es bald möglich, den schweizerischen Leader FC Basel zu bedrängen. „Hene“ Minder erlebte diesen neuen Glanz an vorderster Front mit. Er sorgte auch nach Niederlagen für gute Stimmung, beispielsweise im Mannschaftsbus und war auch das Bindeglied zu den treuen Fans, auch eine Art Sorgentelefon. Trotz seiner immensen Popularität blieb „Hene“ Minder mit beiden Füssen auf dem Boden, auch nach den kürzlich errungenen vier Meistertiteln.

Denn eine Eminenz im Hintergrund weiss: Der Wind im Fussbal kann sich schnell drehen.


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