BRÄNDLES BALLBERICHT


 

Der „Lange“ im Tor

 

Hans Jakob (1908-1994), ein deutscher Torhüter der Zwischenkriegszeit

 

Fabian Brändle

  

Deutschland verfügte bereits in der Zwischenkriegszeit (1918-1939) über eine grosse Auswahl an herausragenden Torhütertalenten, beispiesweise über Stuhlfauth (Nürnberg), den eigentlichen Erfinder der Fussabwehr, Willibald Kress oder eben über den hünenhaften Hans Jakob, der die meiste Zeit seiner aktiven Jahre beim mediokren SSV Jahn Regensburg das Tor hütete und auch über 30 Mal für die Nationalmannschaft auflief. Hans Jakob setzte seinen Körper gut und berechnend ein, beherrschte den Fünfmeterraum und holte so manche Flanke oder Ecke sicher herunter. Natürlich war er nicht so gewandt wie ein kleinerer Goalie, aber „hechten“ konnte er trotzdem.

Der „Jahn“, sein Stammverein, war schon damals nicht die erste Adresse in Deutscland, nicht einmal in Bayern. So war es für Torhüter, die für erfolgreichere und glamourösere Clubs wie Fürth oder wie Nürnberg kickten, einfacher, in der Nationalmannschaft Stammspieler zu werden. Es war denn auch ein Traum Hans Jakobs, zu den Münchner Bayern zu wechseln (die damals freilich noch nicht dominierten), diesen Traum konnte er freilich erst nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verwirklichen, wie er in seinen Memoiren „Durch ganz Europa. Von Tor zu Tor“ festhielt. Hans Jakob war ein Vereinstreuer, hielt zum Jahn. Seine lange Karriere liess er dann bei Lichtenfels bei Coburg ausklingen.

Trotz so mancher verdeckter und kaum verschlerter Zahlung („Scheinamateurismus“) war der deutsche Fussball, erst recht nach der so gennnten „Machtüberhnahme“ der Nationalsozialisten Adolf Hitlers im Jahre 1933, vom Amateurstatus geprägt. Viel Geld verdienen mit dem runden Ball konnte man kaum, auch wenn man so erfolgreich und populär wie der „Lange“ Hans Jakob war. So waren denn Inlands- und Auslandsreisen mit dem Verein oder mit der Nationalmannschaft der Lohn für den Trainingsfleiss und das Talent. Hans Jakob erinnerte sich gerne an Reisen nach England, nach Dublin, insbesondere aber an die Schweiz und an Italien, wo er gegen den amtierenden Weltmeister agierte und somit gegen Paoli und Meazza. Im „bel paese“ qurde er „il longo“ genannt.

Überhaupt stand Jakob als Torhüter internationalen Starstürmern wie Dr. Sarosi (Ungarn), Nejdeli (Tschechoslowakei), den Abegglen-Brüdern Xam und Trello (Schweiz) oder auch Evertons Kopfballmonster Dixie Dean (England) gegenüber. Voller Stolz berichtete er in den Memoiren, diese Legenden gekannt und gegen sie gut gehalten zu haben. Hans Jakob reflektierte auch seine vielen Nicht-Einsätze als Reservetorwart. Dieses Los war oftmals bitter, aber man konnte immerhin etwas für die gute Stimmung tun.

Wer sich für den „alten“ deutschen Fussball interessiert, dem sei die Lektüre von Hans Jakobs Memoren sehr empfohlen.

 


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